„Manchmal ist Roland ganz plötzlich ein Auto. Wenn dann sein Blinker kaputt geht, kann er einfach nicht mehr auf den Weg zu seiner Klasse einbiegen und kommt, wenn überhaupt, viel zu spät von der Pause in die Klasse zurück. Toilettenspülungen versetzen Sam in Todesangst, Sandra kratzt sich die Hand blutig, wenn sie mal einen Fehler macht, und Timo kann seiner Lehrerin einfach nicht mehr zuhören, wenn seine Kleidung Knöpfe hat. Rechnen, Schreiben, Lesen lernen – für viele Kinder ist das nicht leicht. Aber einige haben es noch schwerer: Wie leihe ich mir einen Radiergummi? Wie ignoriere ich Unwichtiges und Störendes? Wie „überlebe“ ich Fehler? Wie bewältige ich die „chaotische“ Pause? Wie finde ich Freunde? Was anderen Kindern in die Wiege gelegt wurde, müssen autistische Kinder mühsam wie das ABC lernen: soziale und kommunikative Kompetenz, menschliches Miteinander“ (aus dem Bericht über eine Lerngruppe).
Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in der frühen Kindheit beginnt. Menschen mit Autismus leiden insbesondere unter einer schweren Kommunikations- und Kontaktstörung, die ihre Beziehung zur Umwelt und ihre Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft beeinträchtigt. Dabei ist der Ausprägungsgrad des Störungsbildes individuell unterschiedlich.
Als Auftragsschule für Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt Autismus bietet die Comenius-Schule autistischen Kindern und Kindern mit autistischen Zügen drei unterschiedliche Bildungsagebote für diese Schüler/innen an:
In Integrationsklassen lernen zwei Kinder mit dem Förderschwerpunkt Autismus. Dort steht ihnen ein/e Schulhelfer/in zur Seite, die/der sich auf sie einstellt und das Bindeglied zum Lehrerteam ist. In einer Kleinklasse werden jeweils neun Schüler/innen unterrichtet und betreut. Ihre autistischen Verhaltensweisen sind deutlich ausgeprägt. Deshalb findet neben dem Klassenunterricht Kleingruppenunterricht und Einzelförderung statt. Nichtsprechenden Schüler/innen bieten wir nonverbale Kommunikationsformen wie Gebärdensprache oder gestützte Kommunikation an. Die drei Kleinklassen befinden sich im Blissestift, das zehn Fußwegminuten vom Stammhaus der Comenius-Schule entfernt liegt (Blisse I, Blisse II, Blisse III). In den Asperger-Klassen ( ASP I : Klasse 1 - 4) und ASP II: Klasse 5 – 10) werden Kinder mit der Diagnose „Asperger-Syndrom“ unterrichtet. Beide Klassen befinden sich im Gebäude des Stammhauses. Aufgenommen werden Schüler/innen, die den intellektuellen Anforderungen einer Grund oder Oberschule entsprechen, aber mit Klassengröße, offenen Lernsituationen und sozialen Anforderungen der allgemeinen Schulen überfordert sind.
Für alle Förderformen der Kinder mit Autismus stehen bei Bedarf stundenweise Schulhelfer/innen bereit. Die Schulhelfer/innen arbeiten in Integrationsklassen, in Klassen für Lernbehinderte, aber auch in Spezialklassen für Schüler/innen mit dem Asperger-Syndrom. Die Schulhelfer/innen sind beim Verein „Autismus Deutschland e.V.“ angestellt. Sie sind Brückenbauer, Schutzengel, Tigerbändiger und Mittler zwischen den Welten. Sie betreuen „ihre“ Schützlinge während des Unterrichts, auf Ausflügen, in den Pausen und auf Klassenfahrten.